Rezensionen

 

Buchpremiere mit Klaus Gebler in der Buchhandlung Lesezeichen Burg

 

Freitag, 16. März 2012 um 19 Uhr

 

Schöner Tag mit Schiffbruch

Texte und Bilder zum würdigen Scheitern

 

Sein neuestes, im Januar 2012 erschienenes Buch „Schöner Tag mit Schiffbruch“ stellt Klaus Gebler am 16. März in der Buchhandlung Lesezeichen in Burg vor. Der Autor, der in seinem Berufsleben als Mathematik- und Physiklehrer immer den Naturwissenschaften verpflichtet war, hat in dieser Sammlung seine vielfältigen Erlebnisse mit Menschen und seine Gedanken über deren Schicksale in literarische Form gebracht.

 

In dreizehn Texten begegnet der Leser zunächst scheinbar ganz alltäglichen Figuren bzw. Situationen, die der Autor jedoch sehr gekonnt aus verschiedenen, teils skurrilen Perspektiven beschreibt, so dass plötzlich jede Normalität verschwindet und das Ereignis als mehr oder weniger große Katastrophe begriffen wird. So ist es weniger die Begebenheit selbst, die den besonderen Reiz des Lesens ausmacht, als vielmehr die genaue und treffsichere Beschreibung der Situation. Alle Beiträge sind geprägt von Tiefgründigkeit und einem gewissen Humor, ohne jemals albern zu sein.

 

Die Collagen, mit denen Klaus Gebler seine Geschichten und Gedichte illustriert hat, sind bestens dazu geeignet, sehr lange und immer wieder betrachtet zu werden. Jedes Mal wird man überrascht über ein neues Detail schmunzeln können.                     Ines Bunzel

 

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, am Freitag, dem 16. März 2012, Klaus Gebler bzw. sein neues Buch „Schöner Tag mit Schiffbruch“ kennen zu lernen. Die Veranstaltung beginnt 19 Uhr und ist kostenlos. Platzreservierungen bitte in der Buchhandlung Lesezeichen, Hauptstr. 19 b, Burg (Spreewald) (Tel. 03 56 03 / 75 03 71)

 

 

 

 

 

Lesermeinung von Steve W. (18) zur Geschichte "Der ganz große Trick" (Eine Lehrerin hat die Geschichte im Deutschunterricht lesen und Gedanken dazu aufschreiben lassen):

 

Ich finde die Geschichte sehr interessant, weil wichtige Probleme im Leben eines Menschen angesprochen werden. Es ist ein sehr schöner Kontrast zwischen dem sinnlosen Gespräch der Eheleute und den tiefgreifenden Erfahrungen und Erkenntnissen des Magiers. Dieser sagt einfach das, was er denkt, und das macht seine Rede echt.

Und diese Echtheit ist das beste, was ein Mensch erlangen kann, was allen Schmerz überstehen lässt und einen Menschen, wenn er sie hat, nie mehr unecht wirken lassen wird: Etwas, was viel Zeit braucht, um es zu erlangen, was man jedoch, wenn man es hat, nie mehr verliert.

 

 

 

 

Der Schriftsteller Erich Köhler (2003 verstorben) hat in den achtziger Jahren sehr frühe Versionen zwei meiner Geschichten analysiert. Köhler ist heute wegen seiner DDR-Staatsnähe umstritten, seine schriftstellerische Kompetenz aber steht nicht in Frage (ehem. PEN-Mitglied).

                                                                                                  

 

Lieber Klaus Gebler,

 

beim zweiten Lesen hatte ich mehr von der Lektüre; das liegt am Streß des Berufslesers, der macht, daß dieser an einem simplen Krimi mehr Vergnügen (nämlich Entspannung) findet als an so anspruchsvollen Sujets wie sie in Ihren beiden Texten zu bewältigen suchen. Im Großen Trick ist der Versuch gelungen. Im „Schwein“, wo das Genre deutlicher wird, aber das Sujet schwieriger ist, ist das noch nicht gelungen. Die Monologform beim Zauberer erleichtert manches, weil hier eine Fiktion aufgebaut wird. Sie reiten da eine schwierige Kür, ich will sie als Psycho-Kommentar-Stil bezeichnen: Ein vergleichsweise simpler Vorgang, das Einfangen eines Schweines, wird als Aufhänger benutzt, um Kommentare über innere Vorgänge daran zu knüpfen. Dabei kommt es nicht auf die Begebenheit an sondern auf die Qualität der Kommentare. Diese Qualität hat in der Genauigkeit der inneren Beobachtung, in ihrer Stimmigkeit zum Vorgang und in der Trefflichkeit ihres Ausdrucks zu liegen. Es werden ja immer wieder Sentenzen ausgeworfen. Diese machen den eigentlichen Gehalt der Geschichte aus. Wenn diese Sentenzen nicht genau stimmen oder nicht treffend ausgesprochen werden, so verwandelt sich das Genre, die Psycho-Kommentar-Story, wie ich sie mal nennen möchte, und die ihre Berechtigung hat, und die ihren Meister sucht, flugs in eine schwellende Kommitaritis. Der Leser muß dann meinen, dass die Kommentare nur Hilfsmittel für das sind, was die Handlung nicht ausdrückt oder hergibt. Der moderne Leser ist ja – eine Folge der Reizüberflutung, welcher die Autoren durch Verknappung zu begegnen suchen – auf Lakonismus geschult, auf den Gedankentransport durch sparsame und zugleich beweiskräftige Handlung. Bei Ihnen erfolgt der Gedankentransport fast ausschließlich durch die eingeschobenen Kommentare, und zwar, das ist das Spezifische dieses selten, weil schwierigen Genres, weit über das Maß der Möglichkeit hinaus, die der sinnlich wahrnehmbare Vorgang liefert. Darin liegen Reiz und Gefahr zugleich – Reiz der psychologisierenden Ableitung, Gefahr des Überziehens. Verlangen Sie von mir keine Zergliederung, es würde mich zu sehr in Beschlag nehmen; suchen Sie selber dahinterzukommen. Auf alle Fälle scheint das Ihre besondere Ader zu sein. Ich wüsste nicht, wer sonst noch bei uns diese Spezialstrecke führe. E.A. Poe macht so etwas Ähnliches, allerdings liegt bei ihm aber meist noch eine starke Handlung vor, die alleine schon die Unterhaltung des Geistes trägt, und in die die scharfsichtigen Autorenkommentare eingeflochten sind und ein Übriges tun. Reiner liegt der obengenannte Stil bei Ihnen vor (verhältnismäßig unbedeutender Vorgang mit möglichst bedeutender gedanklicher Ausbeute), die der Autor nicht dem Leser überlassen kann (weil sie die Geschichte nicht vorsätzlich anträgt) sondern selber vornimmt und formuliert.

Im Formulieren schießen Sie manchmal Kobolz, will mir scheinen. – Ach ja, im Eulenspiegel trifft man manchmal auf ähnliche Geschichten. Dort sollen die Kommentare meistens den Witz ersetzen, den die Geschichte nicht selber hat.

Im „Schwein“ habe ich Anmerkungen gemacht, die aber zum Teil ungerecht sind; Sie können diese Anmerkungen nur zusammen mit diesem Brief relativieren.

                          

Erich Köhler