Bücher Belletristik

Inhalt

 

Schöner Tag mit Schiffbruch

Wie man eine Hexe wird

Oh schöner blauer Himmel

Märchen von der Sehnsucht

Zampern

Wassermanns Töchterlein

Höhenflug

Aphoristisches

Entsetzliche Geschichten

Der falsche Tannhäuser

Ich bin einem Schwein begegnet

Freundlich und beflissen

Der ganz große Trick

 

 

Blick ins Buch (PDF-Datei)

Schöner Tag mit Schiffbruch Leseprobe
Schöner Tag mit Schiffbruch Leseprobe.pd
Adobe Acrobat Dokument 3.9 MB

 

 

 

 

Sachbücher (siehe auch meine zweite Webseite www.klaus-gebler.de)

Klappentext

 

Zwischen 1927 und 2027 gehörte es zu den ernsthaft verbreiteten „Erkenntnissen“, dass der Kosmos aus dem Nichts im Urknall entstanden sei und „Milliarden mal Milliarden Universen hätten damals kurze Zeit nach dem Urknall in einen Stecknadelkopf gepasst“. (National Geographic 12/2003)

Wie konnte sich solcher Kinderglaube als „allseits anerkannte“ Lehrbuchweisheit etablieren?

Der Chronist des Jahres 2035 versucht festzuhalten, welche Umstände einmal die Urknalltheorie als Grundlage für ein „wissenschaftliches Weltbild“ ermöglichten. Denn seit das Rätsel der dunklen Materie gelöst war (siehe Anhang) und seit Papst Benedikt XVI. „einen Uranfang vor dem Urknall“ (2005) nicht mehr ausschloss, verlor die Urknall-Kosmologie als „moderne, physikalische Version der Schöpfungsgeschichte“ (DPG, Physik, 2000) ihre hervorgehobene Bedeutung und geriet schnell in Vergessenheit.

Was bleibt, sind Erinnerungen an jene Zeit, als der Urknall Mode war.

 

 

 

 

 

 

  

Klappentext:

 

 

Alles kann aus Nichts erzeugt werden.

(H. Fritzsch, Physikprofessor)

 

Die Physik von einem andern Stern bestreitet das.

Sie sieht darin einen Rückfall in poetische Zeiten, als Mystiker noch den Rahmen für Naturbeschreibung vorgaben.

Die außerirdische Botschaft zum irdischen Jahr der Astronomie 2009 macht auf eine wichtige Voraussetzung für diesen Rückfall aufmerksam - die Einführung einer „oszillierenden Erkenntnismethode“, mit deren Hilfe jede gewünschte Behauptung Wahrheitsstatus erlangen kann.

Das in aller Stille zur Anerkennung gebrachte Orakel als Erkenntnismittel ist dann auch die Basis für moderne Theorien, die sich jeder Kritik entziehen.

Das Orakel hat immer Recht, es liefert aber keinen Beitrag zur Erkenntnis.

 

Die Welt entstand aus dem Nichts im Urknall.

(Benutzung eines mehrdeutigen Nichts-Begriffes)

Zeitreisen sind möglich.

(Relativierung von Zeit und Raum)

Wir leben in einem Multiversum.

(Oszillation zwischen zwei Dimensionsbegriffen)

 

 

 

 

 

 

 

Regionalliteratur

1. Sagenhaftes Burg

 

 

Die drei Hefte Sagenhaftes Burg entstanden 1994-1996 gemeinsam mit dem Fotografenmeister Erhard Steffen. Hier wird Regionalgeschichte zwanglos im Zusammenhang mit dem überregionalen (Welt-) Geschehen beschrieben. Kein Geringerer als Rudolf Virchow rettete den Burger Schlossberg, Theodor Fontane bereitete mit seinen "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" den Weg für den Spreewaldtourismus und Frau Auguste Schmidt aus Burg wird zum Kaiser nach Berlin als Amme für Prinz Eitelfritz gerufen ...

Die Hefte sind vergriffen (ausleihbar in der Burger Bibliothek im Haus der Begegnung).

Leseprobe aus "Sagenhaftes Burg" Heft 1 1994

 

Am 3. Juni 1865 läßt Bismarck eine Duellforderung auf Pi­stole an den Abgeordneten des Preußischen Landtags Rudolf Virchow überbringen, da dieser in einer Parlamentssitzung Bismarcks Wahrheitsliebe in Zweifel gezogen habe. Durch Vermittlung des Kriegsministers von Roon fand das Duell nicht statt, und so blieben beide Herren am Leben. Die Ge­schichte nahm ihren Lauf, wie wir sie aus Büchern kennen. Nicht auszudenken, wenn es den einen oder anderen getroffen hätte: In Burg gäbe es dann heute vielleicht keinen Schloßberg mehr - auf jeden Fall fehlte der Bismarckturm.

 

Otto von Bismarck (1815 - 1895) und Rudolf Virchow (1821 - 1902), diese beiden großen Persönlichkeiten des vorigen Jahrhunderts, haben ihre Spuren in Burg hinterlassen und auf verschiedene Weise zur Popularität des Spreewalddorfes bei­getragen. Wenn sich der Beitrag Bismarcks auch nur dar­auf beschränkt, daß er am 1. April 1815 geboren wurde und pa­triotisch gesinnte Bürger ihm anläßlich seines 100. Geburts­tages unbedingt ein großes Denkmal setzen wollten, so bleibt seit der Fertigstellung des Bismarck-Turmes 1917 sein Name untrennbar verbunden mit einer beliebten Touristenattraktion - dem 27 Meter hohen Aussichtsturm auf dem Burger Schloß­berg.

Ganz anders sieht der Beitrag des Berliner Arztes, Wissen­schaftlers und Politikers Virchow aus. Dieser besuchte mehr­fach die Spreewaldgemeinde in seiner Eigenschaft als Vorsit­zender der Anthropologischen Gesellschaft und lenkte durch einen spektakulären Fund die Aufmerksamkeit der Öf­fentlich­keit auf Burg: Im Jahre 1865 hatte er bei spielenden Kindern einen zweirädrigen Bronzewagen entdeckt, den er als Kultwä­gelchen einer uralten Kulturepoche identifizierte. (Fundort: am Kreuzweg nach Müschen). Virchows Vortrag beim Inter­nationalen Kongreß für Anthropologie und Archäo­logie 1868 in Paris weckte das Interesse der wissenschaftli­chen Welt, und bereits 1871 unternimmt die Berliner Anthro­pologische Ge­sellschaft "Die Excursion in den Spreewald", um am Schloß­berg nach weiteren Zeugnissen alter Kulturen zu graben. Es ist leider sehr schlechtes Wetter, und Virchow klagt über mangelnde Beteiligung. Im Jahre 1876 wird bei Regulierungs­arbeiten an der Spree ein weiteres, nunmehr dreirädriges Kultwägelchen gefunden, worüber Virchow so­fort ausführlich in Berlin referiert. Er neigt dabei der Meinung zu, daß beide Wagen Importe aus Etruskien sein könnten, also mehr als 2500 Jahre alt sein müßten, schließt aber nicht aus, daß es sich um hiesige Produkte handeln könnte, die bei Opferri­tualen benutzt wurden. Vor allem das dreirädrge Wägelchen findet sich in­zwischen in vielen Geschichtsbüchern als Beispiel für die Kunst der Bronzezeit. Den Höhepunkt findet Virchows Wir­ken in Burg, indem er 1880 einen internationa­len Anthropolo­gischen Kongreß teilweise in den Spreewald verlegt. W. v. Schulenburg schreibt darüber: "Ein Ausflug der Teilnehmer des Kongresses sollte nach Burg im Oberspree­wald stattfin­den. Virchow, sorgsam wie in allem, kam nach Burg, um die Verhältnisse dort kennenzulernen. ... Ich wurde Lokal-Ge­schäftsführer für jenen Ausflug. Die fremden Besu­cher des Spreewaldes, darunter Gelehrte aus dem schönen Oberbayern und dem Schwabenland, wie aus den nordischen Ländern sprachen sich hocherfreut über die eigenartige Schönheit des Spreewaldes aus." Ein anderer Wahl-Burger, das Sprachgenie Georg Sauerwein, verfaßte anläßlich dieser 11. Anthropolo­genversammlung ein Gedicht "Der Spreewald" in griechischer (!) und deutscher Sprache und widmet es Herrn Geheimrat Prof. Dr. Virchow. In seiner "Hochachtungsvollen Zueig­nung" heißt es:

Rettet und schützt die Natur, es geziemt sich für Anthropolo­gen,/ ... Rettet und schützt die Natur; dies allein kann uns ret­ten und schützen,/ Wo uns der Unnatur Fluch überall schon so drohend umringt hat./ Und, wo Entleerer und Streber uns vie­les, ja alles, verwüsten/ und nach dem Schnitt von Schablo­nen durch Drillen die Geister erdrücken. ...

Sauerwein will mit seinem Gedicht auf die Folgen von radika­ler Landschaftsveränderung und Germanisierungspolitik auf­merksam machen:

 

Andre, so heißt's, woll'n ruchlos die Sprach' aus der Wurzel uns tilgen,/ Die, von Geschlecht zu Geschlechte, von Alters her hier man vererbte,/ ... /Denn es weiß ja der König, dem alles aufs klarste bewußt ist,/ Wie mit dem Schwinden der Sprach' auch die Sitte des Volkes ihm schwindet,/ Und, wenn die Sitt' erst geschwunden, so werden bald frevelnde Männer/ Allen mit jeglicher Bosheit und trotziger Schandtat vorangehn,/ ... 

 

 

Als sich 1897 Pläne abzeichnen, den Schloßberg ganz oder teilweise abzutragen, um Baumaterial für den Eisenbahnbau der Strecke Cottbus - Straupitz zu gewinnen, wirft Virchow noch einmal sein ganzes Gewicht als Politiker und Wissen­schaftler in die Waagschale, um diese einmalige historische Stätte zu erhalten. (Der Willischzaberg und der Windmühlen­berg waren bereits dem Wegebau zum Opfer gefallen). Das gelingt nur zum Teil - die Eisenbahntrasse verläuft genau durch den Schloßberg. So dringen Virchow und andere dar­auf, wenigstens Archäologen bei den Grabarbeiten zu beteili­gen, um wertvolle Bodenfunde zu retten. Im Oktober 1897 besuchte er mit seiner Tochter Johanna den Schloßberg, um sich über die Einhaltung der getroffenen Vereinbarungen zu informieren und die zahlreichen Fundstücke in Augenschein zu nehmen.

Die Ironie der Geschichte will es, daß heute der Name Virchow kaum noch mit dem Burger Schloßberg in Verbin­dung gebracht wird, während Bismarck selbst den Kindern ein Begriff ist: Der eine macht die Arbeit, der andere hat den Ruhm (oder wie der Volksmund sagt: Der eine hat die Mühe, der andere die Brühe). Dabei wäre es denkbar, daß ohne Virchows intensive Bemühungen der kieshaltige Hügel längst abgetragen und somit niemand auf die Idee eines Bismarck­turmes an dieser Stelle gekommen wäre.                                                                             K.Gebler

 

 


2. The Prussian Wends und ihre Heimat (Die Preußischen Wenden und ihre Heimat)

 

Der illustrierte Artikel aus Harper`s New Montthly Magazine; New York, März 1877 von dem amerikanischen Historiker Herbert Tuttle wurde von Burger Schülern (Leitung Frau C. Paucker)übersetzt und als eigenständige kleine Broschüre herausgegeben.

Die Broschüre ist vergriffen (ausleihbar in der Bibliothek im Haus der Begegnung Burg (Spreewald).

 

3. Die Welt ist ein Dorf

 

Bei der Beschäftigung mit der Entstehung des Artikels The Prussian Wends ... stieß der Autor auf weitere Persönlichkeiten wie Frank William Damon, der als Gesandter Hawais in Berlin weilte und den Spreewald bereiste. Damons Familie unterstütze Sun Yat-sen, den späteren Staatsgründer Chinas. Dieses Material ist gesondert in einem Artikel im Heimatkalender Stog 2011 verarbeitet:

 

Die Welt ist ein Dorf

 

Was hat die Königserle in Burg mit hawaiischen Missionaren, pazifischen Walfängern, deutschen Kindergärten und chinesischen Revolutionären zu tun?

 

 

Trifft man in einer fernen Weltgegend einen Bekannten aus der Heimat, so fällt unweigerlich der Satz: Die Welt ist ein Dorf. Trifft man gleich mehrere Bekannte, so liegt das oft daran, dass der Ort eine gewisse Anziehungskraft auf gleichgesinnte Naturen ausübt an den ägyptischen Pyramiden treffen sich andere Leute als am Ballermann auf Mallorca.

Welche oft weit gereisten Menschen zog es im 19. Jahrhundert ausgerechnet in das Spreewalddorf Burg?

 

Eigentlich wollte ich nur in Erfahrung bringen, welcher Amerikaner 1876 den Spreewald bereist hat und darüber den fundierten Bericht „Die Preußischen Wenden und ihre Heimat“ veröffentlichte (Harper`s New Monthly Magazine, New York, März 1877). Dort wird unter anderem der Burger Schullehrer und Kantor Post gewürdigt:

Dieser ehrenwerte Mann ist mehr als ein Chorsänger und Organist, er ist zugleich auch Totengräber und Gemeindevertreter, Schullehrer und Geschichtslehrer des Ortes, Fotograf, Reiseführer, Berater und als Junggeselle der Freund der Mädchen und Witwen. Nur wenige Männer neben Bismarck haben so viele Aufgaben.

Wer war der Autor solch liebenswürdiger Botschaft aus dem Spreewald für den amerikanischen Leser? Bei der Suche nach einer Antwort geriet ich auf mancherlei Abwege und fühlte mich zuweilen wie ein Wanderer in Burg, der fest auf Karte und Wegweiser vertraut und dennoch in einer Sackgasse landet.

Die per Fernleihe angeforderte Kopie des Artikels enthielt den Namen des Autors leider nicht.

Als Burger Schüler mit ihrer Englischlehrerin Frau Paucker den Text übersetzten und eine kleine Broschüre für Interessierte herausgaben, gelangte diese auch in die Hände des inzwischen verstorbenen Heimatforschers Albert Burkhardt aus Berlin. Dieser schrieb 2004 in einem Brief:

Durch einen glücklichen Zufall habe ich den Verfasser festgestellt: Er heißt Frank W. Damon, war seinerzeit ein junger Mitarbeiter der hawaiischen Gesandtschaft in Berlin und später Missionar in Honolulu. Aus Interesse für Geschichte und religiöse Fragen besuchte er den Spreewald, um dann über die Bewohner berichten zu können.

 

Frank William Damon aus Hawai, Missionar, Lehrer, Gesandter in Berlin

 

Ein Missionar aus Hawai im Spreewald? Ein Hauch von Exotik umgab plötzlich meine Suche.

Die von Burkhardt angegebene Quelle (Heimatschutz in Brandenburg, Jg. 3/ 4 1911/12) beschreibt die oft erwähnte „Königserle zu Burg“, die an der Mühlspree unterhalb vom Gasthaus Pank (heute Kurhaus) gestanden hat:

Nach der örtlichen Überlieferung ist sie Königserle genannt worden, weil König Friedrich Wilhelm IV. bei seinem Besuch des Oberspreewaldes [1844] den Baum wegen seiner Schönheit und Größe bewundert hatte. Andere meinen, der Name habe nichts mit dem Königsbesuch zu tun und der Baum sei nur wegen seiner Schönheit und Größe so benannt worden.... Rühmend soll ihrer auch Frank W. Damon gedacht haben, ...der den Spreewald etwa 1880 oder 1881 besucht und in einer englisch geschriebenen Zeitschrift zu Honolulu eingehend und sehr liebevoll behandelt hat.             Nach W. von Schulenburg

 

 Eine andere Version liefert Harper´s Magazin 1877:

Dieser Riesenbaum wurde durch den letzten König der Preußen vor der Vernichtung gerettet. Seine Majestät machte einst eine Reise durch den Spreewald, und als er diesen wunderschönen Baum sah, kaufte er ihn mit einer großzügigen Summe von einem Besitzer, der ihn gerade fällen wollte. Von dieser Zeit an hieß sie „Königserle“. Sie wird von der Landbevölkerung verehrt, welche es bereuen würde, wenn sie aus wirtschaftlichen Gründen gefällt würde.

Dass der hawaiische Diplomat Frank W. Damon den Spreewald besucht hat und sich dabei sogar an seine Heimat erinnert fühlte, bestätigt offenbar der Weltbürger Georg Sauerwein:

Reizende Bauergütchen, erst vereinzelt zwischen den Wiesen, dann immer dichter gesäet und, samt den laubigen sie umgebenden Baummassen, wie zu einem einzigen Walde sich zusammendrängend, ziehen an uns vorüber. Hier war es, dass ein ferngeborener Bekannter von den ihrer landschaftlichen Schönheit wegen so berühmten Sandwich-Inseln, sich durch die malerisch unter die alten Bäume geschmiegten Häuschen an die ebenso reizend im tropischen Urwalde versteckten Hütten und Farmhäuser seines fernen Heimatlandes erinnert fühlte.

Das Sprachgenie Georg Sauerwein beherrschte 68 Sprachen und war 1875 nach Burg gekommen, weil er von der wendischen Sprache gehört hatte, die er nun unbedingt kennen lernen wollte. Im nahen Berlin war er gern gesehener Dolmetscher in den Gesandtschaften, und auf diese Weise dürfte er auch Frank W. Damon kennen gelernt und zu einer Spreewaldreise animiert haben. Sauerwein hatte zwischen 1875 und 1902 feste Wurzeln in Burg geschlagen, einen Freundeskreis aufgebaut (Apotheker Kleefeldt, Fotograf Steffen u.a.), und viel für den Erhalt der wendischen Minderheitenkultur getan. Da auch Damon außerordentlich sprachbegabt war und neben englisch fließend französisch, deutsch und sogar chinesisch sprach, liegt die Vermutung nahe, dass es sich bei dem „ferngeborenen Bekannten von den Sandwich-Inseln“ (zu denen Hawai gehört) um Damon gehandelt hat.

Aufgrund seiner außergewöhnlichen Sprachkenntnisse hatte König Kalakaua von Hawai den jungen Frank W. Damon 1878 in die Hawai-Gesandtschaft nach Berlin geschickt. Außerordentlich wissbegierig reiste dieser durch viele Länder der „Alten Welt“ und hielt seine Eindrücke in 61 Reisebriefen fest, die zwischen 1876 und 1882 in der Zeitschrift „Friend“ in Honolulu erschienen. Diese „älteste Zeitung westlich der Rocky Mountains“ war ab 1844 von Franks Vater, dem „Kaplan der Seeleute“ Samuel Damon, für die Segelschiffer des Pazifik, insbesondere für die Walfänger, herausgegeben worden und sollte Bildung und Moral der rauen Gesellen beeinflussen.

„Nach monatelanger Arbeit auf See waren sie, wenn sie hier ankamen, in beliebiger Reihenfolge, nur an zwei Dingen interessiert: Frauen und Alkohol. Wenn ihr inneres Fieber dann nachließ, sind einige wohl auch in die Kirche gekommen.“ (F. Damon jr. 2005)

Die Zeitung „Friend” mit Predigten, Neuigkeiten aus amerikanischen und englischen Zeitungen und eben auch den Reisebriefen Frank W. Damons wurde kostenlos an die Seeleute verteilt, und auf diese Weise können wir sicher sein, dass der Bericht über den Spreewald und die Königserle in Burg auch im fernen Hawai gelesen wurde, wenn auch aus sehr unterschiedlichen Motiven: Während die Gebildeten interessiert den Weltenlauf jenseits der Meere verfolgten, verband sich für die Seeleute mit der Zeitungslektüre noch ein hochwillkommener Service. Man erhielt nach dem Gottesdienst im Hause Damon Feder, Tinte und Papier und konnte mit Hilfe von Frau Damon Briefe nach Hause schreiben.

Der Aufenthalt des Frank W. Damon in Old Germany 1878-1880 sollte für Hawai noch eine ganz praktische Nachwirkung haben: 1892 wurde auf Initiative Damons der erste Kindergarten in Hawai eröffnet, der gleichzeitig als erster chinesischer Kindergarten in die Geschichte einging. Während seines Deutschlandaufenthaltes hatte Damon viel über die Bedeutung der frühen Bildung erfahren (Fröbel-Kindergarten) und führte dieses Modell nun auf der anderen Seite der Erdkugel ein.

Frank W. Damons Nachbar auf Hawai war zeitweilig der amerikanische Schriftsteller Mark Twain, und die Familien verband eine enge Freundschaft.

Damon gehörte zu jenen Missionaren, die Exilchinesen auf Hawai Bildung und Christentum nahe brachten. Dabei spielte die von der Familie Damon mitbegründete und unterstützte Ponahou-Schule eine bedeutende Rolle, wo Frank als Lehrer den späteren Staatsgründer Chinas Sun Yat-sen kennen lernte. Viel später hat ein anderer Schüler der Ponahou-Schule - zunächst als Basketballspieler, dann als Präsident der USA - von sich reden gemacht: Barack Obama. Ja, die Welt ist nun einmal ein Dorf.

Da Damon selbst China bereist hatte und die schlimmen Zustände unter der Mandschu-Dynastie aus eigenem Augenschein kannte, unterstützte er die aufstrebenden chinesischen Revolutionäre, die sich auch auf Hawai formierten. So exerzierten die Chinesen zweimal wöchentlich auf dem Grundstück der Familie Damon, sie erhielten Geldzuwendungen und für den Anführer Sun Yat-sen wurde mit Hilfe Damons sogar eine neue Geburtsurkunde besorgt, die diesen als auf Hawai geborenen Chinesen auswies. Damit konnte dieser problemlos Amerika bereisen und vielfältige Kontakte zur Vorbereitung der Revolution in China knüpfen. Eine lebenslange enge Freundschaft verband Frank W. Damon mit Sun Yat-sen, der nach langen revolutionären Auseinandersetzungen 1912 die Republik China ausrief und von Nationalisten (Taiwan) wie Kommunisten noch heute als Staatsgründer Chinas verehrt wird - natürlich mit sehr unterschiedlichen Interpretationen von dessen Drei Pinzipien Nationalismus, Demokratie, Bürgerrechte.

 

Eigentlich wollte ich nur in Erfahrung bringen, welcher Amerikaner 1876 den Spreewald bereist und seinen Landsleuten so ausführlich davon berichtet hatte. Heute, in Zeiten des Internet, genügen wenige Mausklicks zur Aufklärung des Problems: Es war der berühmte Historiker Herbert Tuttle, der mehrere Bücher über Preußische Geschichte und Friedrich den Großen verfasste und bei seinen Recherchen wohl auch den Spreewald besucht hat. Der Artikel „Die Preußischen Wenden und ihre Heimat“ in Harper`s Magazin 1877 stammt also nicht von Frank W. Damon, und der Irrtum erklärt sich ganz einfach daraus, dass Tuttle und Damon zwar beide über den Spreewald schrieben, aber eben verschiedene Artikel in verschiedenen Zeitschriften.

 

Das Beispiel zeigt, wie nützlich Abwege, Irrtümer und sogar Sackgassen für die Bildung sein können. Denn ohne den irrtümlichen Verweis auf Frank W. Damon wäre uns der Zusammenhang zwischen der Königserle in Burg mit hawaiischen Missionaren, pazifischen Walfängern, deutschen Kindergärten und chinesischen Revolutionären wohl verborgen geblieben.

 

Das Beispiel zeigt aber auch, auf welche Geistesgrößen des 19. Jahrhunderts das Spreewalddorf Burg eine magische Anziehungskraft ausgeübt haben muss. Der amerikanische Historiker Herbert Tuttle, der hawaiische Missionar Frank W. Damon, das Sprachgenie Georg Sauerwein, der Ethnologe Willibald von Schulenburg, der Arzt und Anthropologe Rudolf Virchow, der Schriftsteller Theodor Fontane und viele andere haben sich intensiv in ihren Werken mit dieser Region auseinandergesetzt. Und wenn wir dann bei unseren Wanderungen durch Burg auf diesen oder jenen berühmten Namen stoßen, so lächeln wir leise und fühlen uns bestätigt: Die Welt ist ein Dorf.

 

 

 

4. ... weil der Mensch was lernen muss

1750 - 2000: 250 Jahre Burger Schule, Die ungewöhnliche Geschichte einer Spreewälder Landschule, aufgeschrieben von Klaus Gebler

Schulchronik Teil I
(250 Jahre Schule in Burg Broschüre PDF.
Adobe Acrobat Dokument 7.4 MB
Schulchronik Teil II
(250 Jahre Schule in Burg Broschüre PDF.
Adobe Acrobat Dokument 6.5 MB

 

 

 

 

Auf meiner zweiten Webseite

www.klaus-gebler.de

sind weitere Texte, Präsentationen und Bilder zur Absurdität "moderner" Weltbilder abrufbar.

 

Bei YouTube unter dem Stichwort Urknall Kritik ist eine mit Musik unterlegte Diashow zum Buch "Als der Urknall Mode war" zu finden:

http://www.youtube.com/watch?v=bRdsFbee7X0