Texte und Bilder zum würdigen Scheitern

 

 

 

Im sagenhaften Spreewald ist alles irgendwie mit Traditionen und dem Wasser verbunden. So ist in Bildern und Texten Mythisches mit Realem verwoben.

"Schöner Tag mit Schiffbruch" erzählt von Ereignissen, die eher deshalb als Katastrophen empfunden werden, weil sie Anlass zur Änderung eines lieb gewordenen Lebensgefühls geben.

Liegt der Verlauf der Katastrophen kaum in unserer Hand, so doch unsere Haltung dazu:

In Würde scheitern ...

Leseprobe Schöner Tag mit Schiffbruch (Titelgeschichte)

 

Es wurde still. Undine drehte sich um und schaute dem Mann für einen winzigen Moment direkt in die Augen, dann wandte sie sich wieder dem Ufer zu. Mir schien, als habe dieser Augenblick genügt, ein unsichtbares Band der Sympathie zwischen den beiden zu knüpfen. Sie, die so leidenschaftlich für’s Romantische plädiert hatte, schien die Einseitigkeit und Schwäche ihrer Auffassungen zu spüren und fühlte sich insgeheim zu etwas Realem, Starken hingezogen. Umgekehrt mochte der seriöse Herr im Nadelstreifenanzug spüren, dass in seiner Erfahrung etwas fehlte, das er zwar mit Begriffen ausgefüllt hatte, mit denen er aber nur logisch operieren, nicht aber leben konnte.

 

 

 

 

 

 

Die 23 Fotos bzw. Collagen erzählen eigenständige Geschichten, stehen aber dennoch im Bezug zu den Texten und geben diesen eine weitere Dimension.

Leseprobe Der ganz große Trick

 

Sie möchten wissen, wie...? Alle möchten das, natürlich, aber da muss ich Sie enttäuschen: Ich verrate keinen Trick, keinen einzigen und nicht einmal den kleinsten, mit dem ich meine Laufbahn begann. Sie würden mich sofort verachten, junger Mann, weil Sie mich derart primitiven Betruges nicht für fähig hielten. Das Geheimnis ist das Brot der Köche, Zauberer, Kaufleute, Hütchenspieler, Wählerfänger, Krimischreiber – Trickser aller Art -, und sie alle sind darauf bedacht, die Einfalt ihres Publikums nach Kräften zu befördern. Sie wären über meine Enthüllung so enttäuscht, dass Sie vor Ärger, es nicht selbst bemerkt zu haben, keine Minute länger zuhörten. So aber ist die Geringschätzung auf meiner Seite: Er hat es nicht bemerkt, er sitzt einen Meter von mir entfernt, begafft mich bei vollstem Bewusstsein und vermag solch simplen Vorgang nicht zu durchschauen. Ich gestehe mein Gefühl der Überlegenheit in solchen Augenblicken, und ich ängstige mich zur gleichen Zeit, weil ich sehe, wie leicht die Menschen zu täuschen sind.

 

 

 

 

 

 

Im "Märchen von der Sehnsucht" geht es zum Beispiel wie in dieser Collage um Warten und Sehnsucht, wenngleich in ganz anderen Zusammenhängen.

Leseprobe Märchen von der Sehnsucht

 

Voller Unruhe setzte sich Undine im Bette auf und schaute ihrem schlafenden schönen Jüngling ins Gesicht. Ein fahles Mondlicht fiel in die Kammer, und Undine konnte nichts entdecken als einen röchelnden schwitzenden Männerkopf, auf dessen Halbglatze eine dicke Fliege saß. Nein, von dieser Seite war nichts zu erwarten, jedenfalls nichts Wesentliches, Neues, Anregendes, das ihr heraushülfe aus ihrer Traurigkeit, und sie dachte es ohne Bitterkeit, ohne Vorwurf, denn sie wusste, dass auch von ihr nichts Neues, nichts Anregendes mehr ausging. Nur diese eine Gewissheit wollte sie nicht verlieren: Dass immer dann, wenn ein auf ewig konzipiertes Lebensgefühl einfach so über Nacht verweht, ein Verzweigungspunkt erreicht ist, von dem man aus auf vielerlei Wegen weiterreisen kann. Aber nur einer wird sich als stabil und gut erweisen. Nur einer von den vielen entspricht dieser unheimlichen Sehnsucht, und nur einer führt zum nächsten Verzweigungspunkt, von dem aus wieder nur eine ganz besondere Sehnsucht weiterführen kann. Mit solchen Gedanken fiel sie in einen festen traumlosen Schlaf.

 

 

 

Leseprobe Wie man eine Hexe wird  

 

  Eines Nachts stand der Milchkutscher in meiner Kammer, säuselte etwas von "die eigne Frau im Spitzenhemd ist nicht so schön wie einmal fremd" und versuchte schließlich in mein Bett zu kriechen. Er roch nach Schnaps und Kautabak. Ich wehrte mich nach Kräften und wünschte ihm die Impotenz in alle Glieder - und tatsächlich, als meine Kräfte erlahmten und er zu seinem Ziele hätte kommen können, da war nichts da von jenem Zipfel, der ihn doch angestachelt hatte zu diesem Unternehmen. Du hast mich behext, fauchte er in ohnmächtiger Wut und schlich davon.

 

 

 

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